Der perfekte Mord und viel Applaus

Theater-AG des FAG spielt „Mord im Orientexpress“

Vaihingen (my) Wer ist Opfer? Wer ist Täter? 12 verdächtige, drei Ermittler und am Ende wird der Zuschauer mit seiner Frage nach Gerechtigkeit auf sich selbst zurückgeworfen.

Die Fahrgäste „bestaunen“ überrascht die eben aufgefundene Leiche.Die Fahrgäste „bestaunen“ überrascht die eben aufgefundene Leiche. „Mord im Orientexpress“ ist der einzige Kriminalroman von Agatha Christie, in dem es zwar eine Leiche und viele Täter, aber dennoch keine Verhaftungen gibt. Alle wissen, welche Personen am gemeinschaftlichen Mord beteiligt waren, aber der berühmteste Tatort auf Schienen rollt weiter als ob nichts geschehen wäre.

Durchbrechung der Illusion durch eine Manöverkritik des RegisseursDurchbrechung der Illusion durch eine Manöverkritik des Regisseurs Einen großen Stoff hatte sich die Theater-AG am FAG also für die diesjährige Aufführung ausgesucht. Nicht nur, dass die Theatertruppe nach der Lektüre des Romans selbst ihre Dialoge schreiben musste. Zusätzlich galt es, gegen hervorragende filmische Umsetzungen des Stoffes und der Figur des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot anzutreten, bei dessen Namensnennung jedem Cineasten sofort der unvergleichliche Peter Ustinov in den Sinn kommt!

Aber: „Unsere Sarah macht das auch nicht schlecht!“, versicherte Schulleiter Hans-Joachim Sinnl zu Beginn der Vorstellung in der Peterskirche, zu der sich ein sachkundiges Publikum eingefunden hatte, das die überzeugende Leistung der Akteure aus den Klassenstufen 8 bis 12 gebührend zu würdigen wusste.

Hercule Poirot findet den roten Kimono.Hercule Poirot findet den roten Kimono. Heitere Beiträge wechselten sich ab mit solchen, die bei den Zuschauern Betroffenheit auslösten, als diese nach und nach begriffen, dass ein Mensch aus Rache erstochen worden war, der durch die Entführung eines Kindes unsägliches Leid über viele Menschen gebracht hatte. Die Lösegeldaffäre um den Sohn von Charles Lindbergh, die großes Aufsehen erregt hatte, inspirierte Agatha Christie zu diesem Krimi, einem ihrer berühmtesten Romane.

„Die Truppe hat das sehr gut gemacht!“, lobte Gisela Klein ausdrücklich, die von ihrer Enkelin Laura kurzfristig als Souffleuse engagiert worden war.

Henriette Dieterle hat viel zu loben.Henriette Dieterle hat viel zu loben.Die beiden Theater-Lehrerinnen Henriette Dieterle und Milena Schmitt hatten ihren hoch motivierten jungen Schauspielern aber auch einiges abverlangt: chorisches Sprechen, Dialoge im Gehen oder Stehen, präsent sein, eine Rolle in der Rolle spielen und dabei überraschend bleiben!

Filmsequenzen, die in Schwarz-Weiß-Bildern einen Hauch von Bahnhofs-Flair vergangener Zeiten in die Peterskirche zauberten, sorgten zusätzlich für einen gelungenen Theaterabend, der einem Klassiker der Kriminalliteratur neues Leben verlieh. „Man hatte gar nicht den Eindruck, dass das eine Schüleraufführung ist“, bemerkte ein von der schauspielerischen Leistung beeindruckter Vater anerkennend.