Der Namensgeber der Schule

Porträt von Friedrich AbelPorträt von Friedrich Abel

Das um 1790 entstandene Gemälde wird dem Maler Jakob Friedrich Weckherlin, einem Karlsschüler, zugeschrieben.

Jakob Friedrich Abel, nach dem in seiner Geburtsstadt nicht nur das ältere der beiden Gymnasien, sondern auch eine Straße benannt ist und den überdies ein Bildfenster im Rathaussaal ehrt, wurde am 09. Mai 1751 als Sohn des Oberamtmannes Konrad Ludwig Abel in Vaihingen an der Enz geboren. Seine Mutter Eva Regina war eine Tochter des Oberamtmannes Jakob Gottlieb Bojons, des Amtsvorgängers ihres Ehemannes. Jakob Friedrich Abel stammte also aus einer angesehenen württembergischen Beamtenfamilie.

Seine Jugend verlief in den dazu passenden Bahnen: Nach einer unbeschwerten Kindheit in Vaihingen, wo er auch die Lateinschule, die Vorgängerin unseres Gymnasiums, besuchte, legte er das Landexamen ab und wurde 1764, mit noch nicht 14 Jahren, in das Seminar in Denkendorf eingewiesen, durfte aber 1766 in das Seminar in Maulbronn überwechseln. 1768 bestand er die Abschlussprüfung als Drittbester seines Jahrgangs und bezog anschließend das Tübinger Stift. Er studierte Theologie, Philologie und Philosophie mit dem Ziel Pfarrer zu werden.

1772 jedoch erfuhr Abels Leben eine dramatische Wende. Der württembergische Landesherr Herzog Carl Eugen hatte 1770 auf der Solitude eine "militärische Pflanzschule" gegründet und kam nun persönlich nach Tübingen, um unter den "Stiftlern" Professoren für seine als Eliteschule geplante Neugründung auszusuchen. Als man ihm sagte, Abel stehe deshalb nicht auf der Kandidatenliste, weil er zu klein gewachsen sei, erklärte der Herzog ungehalten, er messe die Tauglichkeit seiner Professoren nicht mit der Elle, und bestand auf Abels Kandidatur. So wurde Abel 1772, also mit 21 Jahren, Professor für Philosophie. 1786 wurde Abel Prorektor - Rektor war der Herzog selbst - der inzwischen in "Hohe Karlsschule" umbenannten und nach Stuttgart verlegten Bildungsanstalt.

1790 konnte Abel, seinem Wunsch entsprechend, als Professor für praktische Philosophie und Beredsamkeit an die Universität Tübingen wechseln. 1792 wurde er überdies noch Pädagogarch, was man etwa mit "Ober-Schulrat" übersetzen könnte, der Lateinschulen "ob der Steig", d.h. im südlichen Teil Württembergs.

1811 gab Abel seine Universitätstätigkeit auf und übernahm kirchliche Ämter: Er wurde Vorsteher des Seminars Schöntal an der Jagst und Prälat und Superintendent von Öhringen. 1812 wurde ihm der persönliche Adel verliehen und seit 1815 saß er im Landtag. 1823, im Alter von 72, wurde er Superintendent in Urach, später in Reutlingen. 1829 starb Abel 78-jährig, bis zuletzt unermüdlich tätig, im Haus einer seiner Töchter in Schorndorf.

Von allen diesen verschiedenen Abschnitten im Leben Abels ist die Zeit an der "militärischen Pflanzschule" bzw. "Hohen Karlsschule" der wichtigste. Dies nicht so sehr, weil Abel dort bahnbrechende Gedanken entwickelt hätte - das war seine Stärke nicht - , sondern einmal, weil es ihm gelang, als begabter Pädagoge und als Freund seiner nur wenig jüngeren Studenten diese mitzureißen und für das Studium zu begeistern, und zum anderen, weil er dort seinen wichtigsten Schüler hatte: Friedrich Schiller. Schiller verdankt seinem Lehrer und Freund viel: so etwa die Bekanntschaft mit Shakespeare und mit den Gedanken des "Sturm und Drangs", den Stoff seiner Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" - es ist die Geschichte von dem Sonnenwirtle Friedrich Schwahn, dessen letzte Tage Abel in Vaihingen miterlebt hatte, - und Anregungen zu den "Räubern", zum "Fiesko" und zu "Kabale und Liebe".

Das schönste Lob jedoch, das über diesen Lehrer ausgesprochen worden ist, stammt von einem unbekannten Schüler: Man fühlt sich durch seine Nähe gebessert.

Von Erhard Mozer:
Leben und Werk von Jakob Friedrich Abel