Den gemeinsamen Wurzeln auf der Spur – interkulturelles Lernen am FAG

Ein Bericht der Klasse 8d – stellvertretend für die ganze Stufe

Interkulturelles LernenInterkulturelles LernenWir, die Jahrgangsstufe 8 vom Friedrich-Abel-Gymnasium, besuchten in Pforzheim eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge. Die Klassen wurden in drei Gruppen aufgeteilt und erkundeten rotierend die Gotteshäuser. Manche Schüler mochten die Synagoge am meisten. Dort erfuhren wir viel Neues, wie beispielsweise die 613 Gebote und Verbote, die es im Judentum gibt. In der Synagoge zeigte der Rabi uns fünf heilige Schriftrollen, die Toras, die mit der Hand geschrieben wurden. Wenn jemand die Tora fallen lässt, muss er 40 Tage lang fasten. Der Rabi ist ein streng orthodoxer Jude und spricht hebräisch. Wir Schüler verstanden sein Deutsch nicht sehr gut, aber wir bemühten uns. Wir erfuhren, dass nicht jeder Jude sein kann, sondern die Mutter Jüdin sein muss, damit man selbst Jude ist. Zwar kann man Jude werden, aber dafür muss derjenige gute Gründe haben. Juden dürfen nur koscher essen und die Kleidung, die man trägt, muss aus einem Stück Stoff gemacht sein. Manche von uns besuchten zuerst die Moschee und mussten dafür vom Bahnhof zur Moschee laufen. Die Moschee war im Industriegebiet. Ein Konvertit – das ist jemand, der seinen Glauben gewechselt hat – führte uns herum. Er bat uns, die Schuhe auszuziehen, bevor wir die Moschee betraten. Dann brachte er uns in den Gebetsraum, in dem wir uns auf den Teppich setzten. Die Wände waren mit arabischen Worten beschriftet. Wir bestaunten eine Gebetsnische, die Richtung Mekka ausgerichtet ist. In dieser lag ein kleiner Teppich, auf dem der Imam (das ist der Geistliche im Islam) sitzt und mit den Gläubigen betet. Der Gebetsraum war mit großen, glänzenden Kronleuchtern bestückt, aber es gab keine Bilder, weil das im Islam verboten ist, man darf den Propheten Mohammed nicht abbilden. Uns wurde erklärt, dass das den Propheten „kleiner“ machen und reduzieren würde. Wir erfuhren in der Moschee, dass alle drei Religionen (Christentum, Islam und Judentum) viele Gemeinsamkeiten haben und dass sie alle auf Abraham zurückgehen. Einige Mitschüler fanden besonders die Schlosskirche St. Michael interessant. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist das älteste Gebäude Pforzheims. In ihr werden viele ökonomische (das heißt die Religionen verbindende) Gottesdienste gehalten, es gibt sogar Tiergottesdienste. Interessant waren für uns auch die vielen Grabsteine in der Kirche und die Geschichten, die die Pastorin dazu erzählte. Wir erfuhren von der Pest, die im Mittelalter in Pforzheim grassierte, von einem verunglückten Mädchen, das angeblich – bereits ertrunken – die Juden bezichtigte, ihr Mörder zu sein und von einem angesehenen Bürger der Stadt, der in Wahrheit Moslem war. Insgesamt war der Ausflug ein großer Erfolg, obwohl er auch ein bisschen anstrengend war. Am nächsten Tag hatten wir vier „Extrastunden“ Gemeinschaftskunde, in denen wir über die vielfältige Gesellschaft (Pluralismus), wie sie entsteht und wie man sie bewahren kann, gesprochen haben. Wir übten in Spielen das Entstehen von Gruppen und wie man sich fühlt, wenn man in einer Gruppe aufgenommen beziehungsweise nicht aufgenommen wird. Zuletzt arbeiteten wir noch mit dem Grundgesetz und gingen der Frage nach, wie es uns im Zusammenleben helfen kann. Am Mittwoch schlossen wir die das interkulturelle Lernen mit vier Stunden Sport ab, die ebenfalls die Gemeinschaft und außerdem Teamarbeit behandelten. Bei der Blitzlichtrunde, in der jeder seine Eindrücke schildern konnte, waren alle von uns der Meinung, dass uns der Ausflug und insgesamt das Behandeln des Themas sehr viel gebracht hat. Es war ein Erfolg, wir haben alles unser Wissen erweitert und Neues kennengelernt.