„Ich hatte unwahrscheinliches Glück in allem Pech“

Neigungskurse Geschichte führen ein Zeitzeugeninterview mit Klaus Wensicke, der über seinen gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR berichtet

Zeitzeugen am FAGZeitzeugen am FAGDie Spannung war groß, als Klaus Wensicke letzten Freitag über seine Konflikte mit der DDR-Staatsmacht berichtete. Viel hat man im Unterricht bereits über die DDR gesprochen, aber dass ein Zeitzeuge von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, das war für alle Beteiligten etwas Neues.
Klaus Wensicke wurde unweit von Berlin im Brandenburgischen geboren und erlebte vorerst eine normale Sozialisierung in der DDR. Er berichtete zum Beispiel von der Teilnahme an der Matheolympiade, über dieses Thema kam er auch mit dem FAG in Kontakt.
Während im Jahr 1968 in großen Teilen Europas die Jugend auf der Straße rebellierte, lies sich Wensicke als junger Mann vor allem vom „Prager Frühling“ beeinflussen. Nach dessen Niederschlagung war ihm klar, dass die DDR für ihn keine Zukunft bot. Mit einem Bekannten der Familie versuchte er über Bulgarien nach Jugoslawien zu flüchten. Die weiteren Erlebnisse klingen nach einem Krimi: Im Zug kurz vor der bulgarisch-jugoslawischen Grenze wurden die beiden DDR-Staatsbürger festgesetzt, kamen für einen Monat ins bulgarische Gefängnis und wurden dann mit einer Stasi-Maschine nach Berlin ausgeflogen. Wensicke wurde ins Stasi-Gefängnis Frankfurt/Oder gebracht. Besonders die Erzählungen aus der Haftzeit faszinierten die Schülerinnen und Schüler. Der Straftatbestand der „Versuchten Republikflucht“ ergab für Klaus Wensicke eine Haftstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten. Nach einem Jahr wurde Wensicke mit weiteren Gefangenen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in die Bundesrepublik Deutschland gebracht. Er war damit Teil einer Freikaufaktion von politischen Gefangenen, bei der tausende DDR-Bürger durch die Bundesrepublik aus ostdeutschen Gefängnissen freigekauft wurden.
Wensickes Stasi-Akte konnte von den Schülerinnen und Schülern analysiert werden, was einerseits für Erheiterung, etwa bei der Detailtreue der Angaben, andererseits aber für Entsetzten sorgte. Welch hohes Gut die Freiheit ist, war jedem nach dieser Zeitzeugenbefragung klar. Vielen Dank an Herrn Wensicke für dieses außergewöhnliche Gespräch.