China und die Jeans

Zhewen Xiao referiert am FAG über Globalisierung und Gerechtigkeit

China und die JeansChina und die JeansVaihingen (my) Was hat die Textilindustrie in China mit Globalisierung und Gerechtigkeit zu tun? Das ist die Leitfrage, die Zhewen Xiao, der Student der Elektrotechnik, seinem Referat vor Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 1 am Friedrich-Abel-Gymnasium zugrunde legte.

Seit eineinhalb Jahren lebt und studiert der junge Chinese in Deutschland, betreut durch das „STUBE“ genannte Studienbegleitprogramm für Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika.
Das Projekt versucht, den so genannten "Braindrain", die Abwanderung qualifizierter Bevölkerungsschichten, zu verhindern. Durch Betreuung und Vernetzung sollen die jungen Erwachsenen eine gute Ausbildung erhalten, sie sollen sich wohlfühlen und sich integrieren können, aber sie sollen auch die Perspektive auf eine Rückkehr in ihr Heimatland behalten.
In Deutschland gibt es rund 230.000 ausländische Studierende. Drei Viertel von ihnen kommen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. An sie richtet sich das breit angelegte STUBE-Angebot, das im Jahr 2010 als offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet wurde.
Und um Nachhaltigkeit geht es auch dem Dreiundzwanzigjährigen, der am Beispiel der Textilbranche aufzeigt, wie weltweit auf Kosten von Ressourcen, einer sauberen Umwelt und einem menschenwürdigen Arbeitsalltag gewirtschaftet wird. „Jede dritte Jeans kommt aus der südchinesischen Stadt Xintang“, erklärt Zhewen. „Das sind 260 Millionen Jeans im Jahr.“ Gigantische Zahlen, die allerdings für die Schüler leicht nachvollziehbar sind, denn schließlich nennt jeder von ihnen im Schnitt sieben Jeans sein Eigen. „Wären sie fair produziert, wäre das kein Problem“, meint der junge Chinese. Aber sein Blick auf durch Blei und Kupfer verunreinigte Flüsse, Akkordarbeit, einen 16-Stunden-Tag sowie einen vergleichsweise geringen Stundenlohn malen ein anderes Bild. Hinzu kommt, dass die Bearbeitung der Hosen durch Sandstrahlung zwar verboten ist, aber dennoch praktiziert wird und zwar auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten.

„Was können wir als Konsumenten da tun?“, lautete folgerichtig am Ende die entscheidende Frage. Einen direkten politischen Einfluss zu nehmen, hielt der Referent nicht für möglich. Sein Appell richtete sich vielmehr an bewusst einkaufende Konsumenten, die außerdem bereit sind, ihre Kleidung zu schonen, damit sie lange hält, und jedwede Verschwendung zu vermeiden.
Diesen Prinzipien weiß sich Zhewen Xiao selbst verpflichtet. Er will sein Studium bald mit der Masterprüfung abschließen und danach noch ein paar wenige Jahre in Deutschland arbeiten, bevor er in seine chinesische Heimat zurückkehren wird.