„Friedrich hoch drei: Abel – Schiller – Schwan“

Erstklassiger Theaterabend am Friedrich-Abel-Gymnasium

Friedrich hoch dreiFriedrich hoch dreiVaihingen (my) „Wie viel passt wohl hinein in ‚Friedrich hoch drei’ – also gewissermaßen in einen Kubikmeter Raum“, philosophierte der stellvertretende Schulleiter Rainer Geppert zu Beginn der Premiere des Stücks über die drei „Friedriche“, deren Schicksal so eng mit dem älteren der beiden Vaihinger Gymnasien verknüpft ist.

Denn eines sei klar, steht da im Programmheft der Theater-AG zu lesen: Hätte Friedrich Abel, der Lehrer, seinem Schüler Friedrich Schiller nicht die Geschichte vom Sonnenwirtle Johann Friedrich Schwan nahegebracht, wäre weder dessen Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ noch sein Drama „Die Räuber“ entstanden, das dem jungen Autor in Mannheim zum Durchbruch verholfen hatte. Vielleicht wäre dann das Friedrich-Abel-Gymnasium sogar nach einer anderen Geistesgröße benannt worden. – Unvorstellbar!

Weil das zum Glück alles anders gekommen ist, hatte sich Schulleiter Hans-Joachim Sinnl schon lange ein Stück über das Sonnenwirtle gewünscht. Diesem Wunsch trug das Theaterensemble um Sarah Wolf nun im letzten Jahr der Ära Sinnl Rechnung.

Friedrich hoch dreiFriedrich hoch drei So war ein Stück entstanden, das sich aus Zitaten Schillerscher Texte, Quellentexten zum „Sonnenwirtle“ und des „Roman(s) aus Schwaben“ von Hermann Kurz sowie selbst geschriebenen Szenen zusammensetzte und auf das gesamte Schulgebäude angepasst war. Das verlangte den Zuschauern eine gewisse Flexibilität ab, denn es wartete ein ganz besonderer Theaterabend auf die Gäste.

„Wir hoffen, dass unser Publikum bequeme Schuhe trägt“, hieß es in der Ankündigung, „denn es gibt zwar immer wieder auch Sitzplätze, doch wir ‚erspielen’ das gesamte Hauptgebäude; da muss man schon auch mal ein Stück gehen und stehend zusehen.“

Das taten die Theaterfreunde allerdings wirklich gern! Denn es mangelte nicht an Spannung und Interesse am Schicksal des Friedrich Schwan, das von den beiden anderen Friedrichs wortreich kommentiert wurde. Schiller (Maximilian Krauß, J II) war stets geneigt, den Namensvetter zu verteidigen. Er verwies auf Schwans schwere Kindheit, in der er, der früh seine Mutter verloren hatte, unter dem allzu strengen Regiment seines Vaters stand. Während der besonnene Abel (Elisabeth Drenk, 10b) nicht müde wurde, die fehlende Moral des Sonnenwirtle anzuprangern, der seine schwangere Freundin und später auch seine Räuberbraut übel im Stich gelassen hatte, ja, der sogar einen Mord aus Eifersucht begangen hatte.
Aus nächster Nähe wurde das Publikum Zeuge dieser Tat und erlebte, wie die Polizei sehr darum bemüht war, den Tatort zu räumen. Also ging es an anderer Stätte weiter mit dem Spiel. Mal war das Treppenhaus Schauplatz, mal der Musiksaal, mal der Aufenthaltsraum. Von Spielort zu Spielort verfolgten die Zuschauer den unaufhaltsamen Abstieg des Räubers, der schließlich mit dessen Hinrichtung endete.

Friedrich hoch dreiFriedrich hoch dreiFriedrich hoch dreiFriedrich hoch drei Filmsequenzen, die an unterschiedlichen Orten auf dem Schulgelände oder in Fachräumen gedreht worden waren, vertieften die Handlung ebenso wie die Einbeziehung des Publikums durch Befragungen oder das spontan ausgeteilte Extrablatt „Der Alte Postbote“, das über den berühmten Räuberhauptmann und Ausbrecherkönig berichtete, dessen junges Leben im Jahr 1760 in Vaihingen sein unrühmliches Ende fand.

Was war für den Zuschauer also schließlich drin in „Friedrich hoch drei“? Zum einen das Herzblut der begleitenden Lehrerinnen und das unverkennbare Engagement der Schauspieler, zum anderen aber auch ein faszinierend anderer Theaterabend, der zeigte, wie spannend, interaktiv und modern Theater gemacht werden kann!Friedrich hoch dreiFriedrich hoch drei