Man sieht nur mit dem Herzen gut

Der kleine Prinz - Musical 2019Der kleine Prinz - Musical 2019Neunzig Sänger und Schauspieler der Jahrgangsstufe 5 des Friedrich-Abel-Gymnasiums begeisterten ihr Publikum in der Vaihinger Stadthalle mit Basti Bunds Singspiel „Der kleine Prinz“ nach Antoine de Saint-Exupéry. Schulleiter Hans-Joachim Sinnl hob in seinen Begrüßungsworten hervor, dass im kleinen Prinzen die Chiffre der Menschlichkeit, der Nächstenliebe und Empathie sehr gut zu den Grundvorstellungen des Friedrich-Abel-Gymnasiums passe und er sich auch deshalb besonders auf den Abend freue.
Es war ein Abend der leisen Töne. Der Chor unter dem Dirigat von Ingrun Canzler zeigte sich als musikalischer Kommentator der Handlung. Begleitet wurde er von Benjamin Albrecht und Markus Sauter, die an ihren E-Pianos den Klanggehalt eines ganzen Orchesters in die Stadthalle zauberten. Mit einem melancholischen Grundton ergänzte der Chor den über die Erwachsenenwelt verzweifelnden Prinzen sehr stimmig und drückte damit dessen Haltung musikalisch zart und doch sicher aus. Er verkörpert ganz im antiken Sinne das Volk und dessen Meinung. „Erwachsen, klug und nüchtern, so erklären wir die Welt“, klagte der Chor einfühlsam und doch bestimmt. Ein Dutzend Solosänger gestaltete in heller und leichter Tonführung zusammen mit dem Chor die moralische Gegenwelt zu den Erfahrungen, die der kleine Prinz auf seiner Reise von Planet zu Planet gemacht hat.
Der Prinz selbst kann die Liebe zu seiner wunderschönen Rose nicht vergessen, die er zu Hause vor Antritt seiner Reise zurückgelassen hat. Zwar schützt er das schon kränkelnde Pflänzchen mit einem Glas, dennoch bittet sie im Abschiedslied: „Lass jetzt das Glas, ich will die frische Nachtluft spüren, auf die Gefahr hin, dass die Raupen mich berühren. Wie soll ich sonst auch einen Schmetterling erleben?“ und wünscht ihm ein glückliches Leben.
Der gealterte Pilot erzählt von seiner Begegnung mit dem kleinen Prinzen in der Wüste, als er in jungen Jahren dort mit seinem Flugzeug abgestürzt ist. Der junge Prinz, in der ersten Aufführung von Eva Gellink und Finn Baudisch überzeugend dargestellt, trifft auf den Piloten, dem am Ende frenetisch bejubelten Raffael Clemenz, und erzählt ihm seinen Reiseweg durch die Planeten.
Weder der König noch der Säufer, weder der Geschäftsmann noch der Laternenanzünder, auch nicht der Geograf schaffen es, den kleinen Prinzen von ihren Vorstellungen und Lebenseinstellungen zu überzeugen. „Wer außen mächtig scheint, ist innen schwach und angreifbar. Die großen Leute sind oft kleiner als man meint“, kommentiert der Chor ganz im Sinne des verzweifelten kleinen Prinzen und klagt die Allmacht, die Nutzlosigkeit, die Habgier und die Gedankenlosigkeit der Erwachsenen an.
Erst die Begegnungen mit der Schlange, mit den wunderbaren Rosen mit dem Fuchs zeigen dem Prinzen eine andere Dimension des Seins. Der Fuchs bittet den kleinen Prinzen, ihn zu zähmen, was der Chor leidenschaftlich wiederholt: „Wenn du mich zähmst, werd ich voll, voll Sonne sein. Wenn du mich zähmst, bin ich nie, nie mehr allein.“ Und tatsächlich gelingt die Zähmung und der kleine Prinz erlebt das Glück der Freundschaft und erfährt das große Geheimnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Der kleine PrinzDer kleine Prinz Mit dieser Erkenntnis verabschiedet sich der kleine Prinz vom Piloten, schenkt ihm noch das Lachen des Sternenhimmels und beginnt die Reise in eine andere Welt.
Im grandiosen Schluss ist der Chor überzeugt, dass der Prinz wiederkehren wird: „Ihr werdet sehn, dass euch sein Lachen tief im Herzen rührt. Wer weiß, vielleicht begegnet euch ein Kind mit goldnem Haar. Dann schreibt mir schnell: Der Prinz ist wieder da!“

Die Inszenierung von Anne Koerbler und Eveline Mayer überzeugte durch ein stimmiges Gesamtkonzept, das die jungen Schüler zu ausdrucksstarken Spielern machte.
Situationskomik wechselte mit stimmungsvollen, ja philosophischen Passagen. Ein auf das Wesentliche reduziertes Bühnenbild und eine stilsichere Maske waren äußeres Kennzeichen der inhaltlich anspruchsvollen Inszenierung, ein nicht enden wollender Applaus der Dank des Publikums.