Eine Liebeserklärung an die Schwaben

Anton Hunger – Gast am FAG

Vaihingen (my) Wenn zwei Vollblutschwaben aufeinandertreffen und sich über das Schwabentum austauschen, kann das eine peinliche Nabelschau werden oder ein vergnüglicher, von kritischer Selbstironie geprägter Abend. Letzteres erlebten die Gäste, die der Einladung des Friedrich-Abel-Gymnasiums zu einer Lesung mit Anton Hunger gefolgt waren, der in seinem Interviewpartner Benjamin Klaiber (Jahrgangsstufe 2) auf einen glühenden Verfechter der schwäbischen Lebensart gestoßen war.
Anton Hunger - Gäste am FAGAnton Hunger - Gäste am FAGDer Autor des Buches „Gebrauchsanweisung für Schwaben“ hat zwar vor etwa 70 Jahren im oberbayrischen Cham das Licht der Welt erblickt und lebt jetzt am Starnberger See. Aber „ich denke, fühle und handle wie ein pietistischer Schwabe“, bekannte Anton Hunger, denn schließlich sei er bereits im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern ins Schwäbische gezogen.
Nach seinem Volontariat, seinem Studium in Tübingen und einer Tätigkeit bei der Stuttgarter Zeitung habe er in München bei einem Industriemagazin gearbeitet, bevor er von Porsche als Kommunikationschef angeworben worden war. Dabei war es ihm gelungen, so tiefe Spuren zu hinterlassen, dass ihn schließlich der Piper-Verlag fragte, ob er als profunder Kenner der schwäbischen Mentalität nicht ein Buch schreiben wolle über - eben „den Schwaben“.
Das habe er zwar getan, räumte Anton Hunger ein, obwohl er wisse, dass es „den Schwaben“ gar nicht gebe. Aber trotz aller landschaftlich geprägter Unterschiede, die für das geübte Ohr bereits von Ortschaft zu Ortschaft eigene Sprachfärbungen erkennen ließen, stimmten doch Klischee und Wirklichkeit gerade beim Schwaben manchmal überein, stellte der Autor fest.
So sei der Schwabe eben tatsächlich geizig, introvertiert, wissbegierig, freundlich, aber auch bruddelig bis saugrob und „bhäb“, vor allem aber „hälenge reich“, ließ Hunger sein Publikum wissen und untermauerte seine Behauptungen überzeugend mit dem ein oder anderen Witz. So wurde etwa die Geschichte vom Schwaben, der in der Waschanlage das Schild mit der Aufschrift „Gang raus!“ als dialektgefärbte Aufforderung versteht, sein Auto zu verlassen, und deshalb vor Nässe trieft, von der Zuhörerschaft mit herzlichem Gelächter quittiert.
Mit einem kurzen historischen Exkurs brachte der Referent Licht in die Ursprünge des Völkergemischs im Kernland der Staufer, befasste sich mit der Frage, ob tatsächlich – wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel angedeutet – die Maxime einer schwäbischen Hausfrau ( „Man kann nicht über seine Verhältnisse leben.“) auf das weltweite Wirtschaftsgebaren übertragen werden könnte und gab schlussendlich Einblicke in die ganz unterschiedlichen Akzente, die man sprachlich mit der landestypischen Diminutiv-Endung „-le“ setzen kann: von zärtlich (Kälble), lobend (ä netts Mädle), verharmlosend ( ä bissle ä klois Bäuchle ) bis spottend (Männle).
Als Anton Hunger nach mehr als einer Stunde seinen Vortrag folgerichtig mit „Adele“ schloss, dürfte er bei seinen Zuhörern deren Sympathien fürs Schwäbische um einiges gesteigert haben.