Staatstheater und die Region

Theaterpädagogen zu Gast am FAG

„Literatur und Theater“ heißt der Wahlkurs in der Oberstufe, bei dem sich Schülerinnen und Schüler vertiefend mit dem Medium Theater, dessen besonderen ästhetischen Mitteln und der Literatur auseinandersetzen. Doch der Weg von den Werken der Literatur auf das Theater ist ein langer Prozess und die entstandene Inszenierung im modernen Regietheater auch nicht immer einfach zu erschließen.
Mit diesem Prozess und dessen Ergebnis beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe I und II in der letzten Woche in einem Workshop unter der Leitung Theaterpädagogin Maria Winter vom Stuttgarter Staatstheater, das für sich postuliert: „Das Schauspiel Stuttgart lebt vom Dialog mit der Stadtgesellschaft und den Menschen der Region. … Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich aktiv zu beteiligen, sich einzumischen und das Theater zu einem Begegnungsraum für alle zu machen. Unser Ziel ist es, Sie und euch zum Eintauchen in die Theaterwelt zu ermutigen und dabei zu begleiten.“
Der Klassiker „Romeo und Julia“ von William Shakespeare steht im Staatstheater auf dem Programm und der Workshop sollte den gemeinsamen Theaterbesuch vorbereiten und auf die Besonderheiten der Inszenierung aufmerksam machen.
So wurde der Klassiker auf die Konfliktsituation und die Figurenkonstellation hin untersucht, aber auch hinterfragt, ob seine Inszenierung heute noch zeitgemäß sei. Ist das heutige Liebes- und Partnerschaftskonzept noch mit Shakespeare zu vereinbaren? Sind Liebe, Hass, Feindschaft und Neid zeitenübergreifende Themen?
Literatur und Theater 2019Literatur und Theater 2019Dem Grundprinzip des Kurses „Literatur und Theater“ entsprechend wurde dies nicht nur rational erörtert und diskutiert, sondern auch in Bühnensituationen erprobt und als Standbilder auf die Bühne gebracht. Von zentralen Szenen wurden Strichfassungen von den Schülern erstellt, um die Kernpunkte der Problematik herauszuschälen, und zu neuen Sprechszenen zusammengesetzt, die zwar Shakespeares Sprache erhalten, aber in neue Kontexte stellen sollten.
Maria Winter gab zudem Hintergrundinformationen zum Regisseur, der als Gast in Stuttgart inszeniert und bisher eher durch politische Theaterabende von sich reden machte.
So vorbereitet wartet die Schülergruppe nun gespannt auf den Besuch im Staatstheater, der leider durch einen Streik der Bühnenarbeiter um eine Woche verschoben werden muss.
Nach dieser vorbereitenden Auseinandersetzung mit dem Stoff stand der Besuch der Inszenierung auf dem Programm. Danach gab es von den Schülern viel Lob für die Inszenierung: Vor allem der Umgang mit den Lichtquellen und das Bühnenbild mit mehreren Spiegeln und sich bewegenden Grabsteinen wurde hervorgehoben. Es bestand aber auch Diskussions- und Gesprächsbedarf: Wer waren diese stummen, fantastisch gekleideten Zuschauer? Warum löst sich der Regisseur von der Chronologie der Handlung und der Struktur des Textes? Wozu diese auffälligen Wiederholungen einzelner Textpassagen und Streichung der bekanntesten Sätze und Szenen (so kommt die Inszenierung ohne Balkonszene aus)? In einem aber sind sich die Schüler einig: Theater ist mehr als eine einfache Wiederholung der klassischen Texte. Jede neue Inszenierung ist eine eigene Interpretation, die die alten Werke aktualisiert und deren Erschließung einiges an Hintergrundwissen oder Austausch bedarf.