Austausch first

Neben der Vorfreude der FAG- Schülergruppe auf den Gegenbesuch mit dem Marshall-Center in den Vereinigten Staaten mischte sich zumindest bei den Begleitlehrerinnen Brigitte Liebers und Christiane Wala eine gewisse Skepsis, in das America-first-Land zu reisen.
USA-AustauschUSA-Austausch „Ich wollte ursprünglich nicht in die USA. Der Austausch brachte mir wertvolle Erfahrungen mit den Menschen. Seit Trump ist es noch wichtiger, dieses Begegnungen zu pflegen“, kommentierte Brigitte Liebers ihre Eindrücke nach der Rückkehr und auch Christiane Wala kann nachvollziehen, dass derzeit die USA nicht für jeden das Lieblingsland sind, „imponiert hat mir aber das Vermächtnis von George Marshall, der die Idee hatte, andere Kulturen kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und so die Idee des friedlichen Zusammenlebens entwickelte.“ Diese Idee führte schließlich zum transatlantischen Bündnis, wobei das Marshall-Center in Leesburg sich den kulturellen Austausch bis heute auf die Fahnen geschrieben hat.
Beeindruckend war dabei für viele FAG-Schüler, dass in Virginia vieles an Baden-Württemberg erinnert. Viele Menschen dort seien deutscher als deutsch. Die Vorgärten seien propper herausgeputzt, die Rasenflächen schön gemäht und die Zäune sauber gestrichen. Die gründliche Vorbereitung aller Exkursionen durch die amerikanischen Partner könnte von deutscher Seite nicht übertroffen werden. „Eigentlich sind die ganz ähnlich wir“, fasste eine Schülerin diese Eindrücke zusammen. Dennoch stellten die FAG-Schüler auch Unterschiede fest. „In meiner Familie wurde eigentlich gar nicht gekocht. Wir gingen entweder essen oder ließen uns etwas anliefern“, beschrieb eine andere Teilnehmerin. Der Schüleraustausch zwischen dem Marshall-Center und dem Friedrich-Abel-Gymnasium steht auf zwei Säulen. Zum einen bildet er den klassischen Austausch mit Schulbesuch, Unternehmungen mit den Gastfamilien, kulturellen Veranstaltungen und Ausflügen ab. So war es für die jungen Vaihinger schon ein großartiges Erlebnis, im Capitol das Repräsentantenhaus und den Senat zu besuchen. Was man von den Fernsehbildern kennt, in Natura zu erleben, war für die FAGler beeindruckend. Mit Staunen nahmen die Schülerinnen und Schüler auch die vielfältigen Sicherheitssysteme im Capitol wahr.
Ausflüge zum Obersten Gerichtshof, zum Nationalfriedhof Arlington oder zum Luft- und Raumfahrtmuseum gaben weitere kulturelle Einblicke in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Jeder Schüler erhielt von der Stadt Leesburg eine Medaille und eine Urkunde, die ihn als Ehrenbürger der Stadt auswies. Auch der Kongressbesuch wurde mit einer Urkunde des Kapitols dokumentiert.

Die zweite Säule bildeten, ganz im Sinne Marshalls, dem der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas und Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg so wichtig war, Betriebspraktika der FAG-Schülerinnen und Schüler. Jeder Schüler wurde einem Unternehmen zugewiesen, bei dem er ein viertägiges Praktikum absolvierte. Tamara Sloboda arbeitete in einer Einrichtung, die auf therapeutisches Reiten spezialisiert war. „Zu uns kamen Kinder, die nicht laufen oder nicht sprechen konnten. Meine Aufgabe war es, die Kinder auf dem sich bewegenden Pferd zu halten. Wenn man sieht, wie die Kinder beim Reiten lachen und Freude haben, dann rührt einen das schon an. Es gab Kinder, die nach der Reittherapie zum ersten Mal in ihrem Leben stehen konnten.“
Judith Scharpf bekam Einblicke in ein Werbe- und Webdesign-Unternehmen. Ihr gefiel in besonderem Maße die Aufgaben, die sie als social media art director erledigen durfte. „Ich durfte für richtige Kunden Einträge in sozialen Medien vornehmen, beispielsweise bei Instagram. Dabei erhielt ich nur eine Zielvorgabe und konnte alles andere eigenverantwortlich und frei entscheiden. Für mich wurde die Arbeit dadurch besonders wertvoll.“
Judith Scharpf gefiel die Arbeit so gut und das Unternehmen zeigte sich mit Judith so zufrieden, dass die FAG-Schülerin im Sommer eingeladen wurde, einige Wochen im Unternehmen in den Staaten zu arbeiten.
Die menschlichen Begegnungen zeigten den FAG-Schülern, dass es nicht nur eine America-first-Vorstellung in den Vereinigten Staaten gibt, dass Herzlichkeit, Gastfreundschaft der gerne ins Spiel gebrachten amerikanischen Oberflächlichkeit gegenüberstehen. George Marshall hätte seine Freude an den vielen Freundschaften gehabt, die der Austausch hervorbrachte.