Mensch Kalle - Die <q>Wilde Bühne</q> aus Stuttgart gastierte am FAG

Mensch Kalle

Im Rahmen des Bundesmodellprojekts „Suchtprävention durch ehemalige Drogenabhängige“ gastierte die „Wilde Bühne“ in der vergangenen Woche am Friedrich - Abel - Gymnasium. Gisela Lemberger, „Drogenberaterin“ an der Schule und zuständig für verschiedene Aktionen zur Suchtprävention in der Klassenstufe 7, konnte mit Unterstützung des Elternbeirats in diesem Jahr zum ersten Mal die Stuttgarter Truppe engagieren, die am Vormittag und Nachmittag je eine Vorstellung für die Schülerinnen und Schüler aus den Klassen sieben und acht am FAG gab.

Das Stück „Mensch Kalle“ zeigt vier Jugendliche im Alter von etwa 16 Jahren. Sie leben irgendwo am Rande der Gesellschaft, halten sich mit kleinen Tricks über Wasser, hängen rum, träumen insgeheim vom großen Thrill und schlagen sich gerade so durch.
Es sind scheinbar alltägliche Themen, die die Clique von Mäggie, Hardy, Toni und Kalle beschäftigen: Geldprobleme, Kino und Disco, abhauen wollen, Freundschaften schließen und Freundschaften zerbrechen sehen. Und doch entspannt sich in „Mensch Kalle“ eine Geschichte zwischen Hoffnung einerseits und Resignation und Perspektivelosigkeit andererseits.

Entwickelt wurde das Theaterstück von ehemaligen Abhängigen, die viel Autobiographisches darin verarbeitet haben. Dennoch stellen die Schauspieler nicht bloß sich selbst dar, sondern versuchen durch Verallgemeinerung ihren Figuren auch etwas Typisches mitzugeben. Zusätzlich verändere sich ein Stück mit jeder Neubesetzung, erklärte Jörg Pollinger von der „Wilden Bühne“, der als Theaterpädagoge die ehrenamtlich arbeitenden Schauspieler betreut und begleitet. Ganz bewusst lassen diese am Ende der Vorstellung manche Fragen offen, um darüber in einem Nachgespräch mit den Schülern reden zu können. Das Gespräch, das sich an die Aufführung anschließt, gehört mit zum Programm dieser Art von Suchtprävention. Die Schauspieler treffen sich mit ihrem Publikum in Kleingruppen und erzählen von ihren eigenen Erfahrungen mit Drogen. Sie versuchen den Jugendlichen deutlich zu machen, was ihnen an einem Leben, das ohne Drogen auskommt, so wichtig ist. Auf diese Art sollen die Schülerinnen und Schüler Anregungen erhalten, um ihre eigene Situation zu reflektieren und Ichstärke zu gewinnen.

Gegründet wurde die „Wilde Bühne“ im Jahr 1990 von Rolf und Lea Butsch, die in der Therapie mit Drogenabhängigen schon mit den Mitteln der Darstellungskunst gearbeitet hatten. Daraus hat sich bis heute eine vielseitige Theaterarbeit entwickelt, bei der ehemalige Abhängige in unterschiedlichen Projekten tätig sind.