Mit „Nebelbilder“ und „Wespe“ nach Weikersheim

Charlotte Kaiser, Schülerin einer neunten Klasse am Friedrich-Abel-Gymnasium, erhielt mit ihrer Komposition „Nebelbilder“, op 17 für Klavier solo einen Förderpreis beim Bundeswettbewerb „Jugend komponiert“, der mit einem Vollstipendium von Jeunesse musicales für eine einwöchige Kompositionswerkstatt in den Osterferien in der Musikakademie Schloss Weikersheim verbunden ist. Von insgesamt 195 eingereichten Werken wurden 30 Arbeiten ausgezeichnet, Charlotte Kaiser erhielt einen der vergebenen Förderpreise.
Das junge kompositorische Ausnahmetalent beschreibt, dass sie in den Nebelbildern ein sehr schnelles, in 32teln gespieltes, flimmerndes Motiv verwendet habe, das neu auftauchende Motive umspiele. „So erscheinen die neuen Motive nie ganz klar, sondern sind immer von einer Art „Nebel“ umhüllt, den ich auch durch die Atonalität meines Stückes zeigen will. Allerdings gibt es immer wieder ganz klare Passagen, einzelne Szenen, die nicht im Zusammenhang mit dem Nebel stehen und die sich rhythmisch und in Tempoangaben wie „etwas jazzig“ vom Rest des Stückes unterscheiden, die aber nicht lange fortgesetzt werden. Diese Szenen oder Bilder geben den Namen meines Stückes.
Zu meinem Werk inspiriert hat mich eine Kompositionswerkstatt, bei der wir uns mit „Clustern“ beschäftigt haben, und die ich auf eine neue Art verarbeiten wollte.“
Der Weg zu einem zweiten großen Erfolg mit „Nebelbilder“ war für Charlotte Kaiser lang und mit vielen Herausforderungen versehen. Als Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ in Paderborn durfte sie sich um die Teilnahme beim WESPE-Wettbewerb (Wettbewerbsfestival der Sonderpreise von Jugend musiziert) in Regensburg bewerben. Sie bewarb sich in der Kategorie „Beste Interpretation eines eigenen Werkes“ und bereitete sich durch die Teilnahme an einem Meisterkurs bei Professorin Sontraud Speidel in Eisenberg (Thüringen) intensiv darauf vor.
Die Mühe lohnte sich und Charlotte Kaiser war eine von 125 jungen Musikerinnen und Musikern, die im Festival antraten.
Mit WESPE hat „Jugend musiziert“ vor zehn Jahren einen Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem sich junge Musikerinnen und Musiker mit unbekannten oder besonders schwierig zu interpretierenden Werken auseinandersetzen. Hier ist vor allem produktive Neugierde und Kreativität gefragt.
Gegenüber der Neuen Musikzeitung sagt der Vorsitzende von "Jugend musiziert", Prof. Ulrich Rademacher: „WESPE ist für selbstständige, unabhängige, risikofreundliche Menschen, für die das Komponieren, Improvisieren, Interpretieren und Reflektieren von Musik eng zusammen gehören. Um auf diesem Wege erfolgreich zu sein, um ein Publikum berühren und überzeugen zu können, braucht es eine hohe künstlerische Kompetenz und eine Bühnenpräsenz, die eine Brücke zu den Herzen und Ohren der Zuhörenden schlägt. Hier konzertieren die Zukunftsmusiker.“
Insgesamt wurden 80 Musikbeiträge präsentiert, von denen eine rund 30-köpfige Jury schließlich 38 mit Sonderpreisen ausgezeichnete. Die Juroren waren von Charlotte Kaisers Nebelbildern überzeugt. Sie erhielt zusammen mit zwei weiteren Ensembles und einem Solisten den Sonderpreis der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten.
Das Foto zeigt sie bei der Preisverleihung (fünfte von links).
Foto: Stadt Regensburg /Stefan EffenhauserFoto: Stadt Regensburg /Stefan Effenhauser Bei zahlreichen Aufführungen konnte Charlotte Kaiser inzwischen ihre Nebelbilder vorstellen, so im Ausstellungskonzert „Cézanne - Metamorphosen“ in der Kunsthalle in Karlsruhe, im Velte-Saal der Hochschule für Musik in Karlsruhe, im Oratorium im Kloster Maulbronn bei einer Veranstaltung des Rotary-Clubs Mühlacker oder jüngst im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen. Die Kritiken reichten von „unbedingt hörenswert“ bis „eigenartig fesselnd“. Auf eine Fortsetzung der Arbeit der hochbegabten jungen Komponistin freut sich ein fachkundiges Publikum ebenso wie die FAG-Schulgemeinde, die ihr bei ihrem künstlerischen Tun und für die Teilnahme an weiteren Wettbewerben die Daumen drückt.