Ein Schreckensort in Fotos der Erinnerung

Ein Schreckensort in Fotos der Erinnerung

Am Freitag ist in Straßburg eine Fotoausstellung über das Konzentrationslager Natzweiler und seine Außenlager eröffnet worden. Mit dabei sind auch die Fotografien von drei Schülerinnen des Vaihinger Friedrich-Abel-Gymnasiums. Sie zeigen das KZ-Außenlager Wiesengrund. Der Termin für die Ausstellungseröffnung wurde bewusst gewählt: Einen Tag vor dem europäischen Gedenktag für die Opfer des Holocaust und der Prävention von Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist gestern die Fotoausstellung „Photographier la mémoire“ – „Die Erinnerung fotografieren“ in Straßburg eröffnet worden. An dem deutsch-französischen Schulprojekt, das vom Lycée ORT in Straßburg ins Leben gerufen wurde, waren auch Michelle Hoffmann, Lea Krüger und Lilian Weigl vom Friedrich-Abel-Gymnasiums in Vaihingen beteiligt. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der fotografischen Erinnerungstraßburgstraßburg an das Konzentrationslager Natzweiler, sowie dessen Außenlager rechts und links des Rheins – dazu gehört auch das Außenlager Wiesengrund in Vaihingen. Der subjektive Blick der Schüler auf die Überreste der Konzentrationslager steht bei dem Fotoprojekt im Vordergrund. Die Vaihinger Schülerinnen haben sich dafür mit dem KZ Wiesengrund auseinandergesetzt.
„Wir haben uns dafür entschieden, am Fotoprojekt teilzunehmen, da uns die Frage, ob man diese spezielle Form der Erinnerung fotografieren sollte, selbst betrifft“, sagt die Zehntklässlerin Lea Krüger. Heutzutage sei es üblich, alles auf dem Handy festzuhalten und man frage sich viel zu selten, ob ein Foto überhaupt angebracht sei. „Weil wir uns im Projekt Jugendguides der Vaihinger Gedenkstätte sowieso näher mit dem KZ Wiesengrund befassen, fanden wir es spannend, noch einen Schritt weiter zu gehen und das Damals mit dem Heute in Verbindung zu bringen“, so Lea Krüger weiter.
„Wir haben uns mehrere Male getroffen, um zu besprechen, was unsere Fotos aussagen sollen“, erklärt die Schülerin. Letztlich hätten sie sich dann dafür entschieden, den Ort für sich selbst sprechen zu lassen. Nur anhand der Perspektive und kleinerer Requisiten hätten sie versucht, die Wirkung der Fotos zu unterstreichen. Unterstützt wurden die Schülerinnen von Jörg Becker, der ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Vaihingen ist. Die Auswahl der Fotos, die es auf die Tafeln der Ausstellung geschafft haben, fand bei einem Treffen der deutschen und französischen Schüler im Dezember in Straßburg statt. Das Ergebnis ist beeindruckend: Am Ende sind über 20 zweisprachige Tafeln entstanden, die von den Schülern aus Frankreich und Deutschland erstellt wurden. Die Tafel für das Außenlager Vaihingen wird von einem Foto des KZ-Friedhofs dominiert. Weitere Bilder zeigen die Grundmauern der ehemaligen Entlausungsbaracke und den Luftschutzstollen der Wachmannschaften. Die Ausstellung soll nach dem Straßburger Lycée ORT auch an anderen Orten gezeigt werden – etwa in dem Bildungs- und Dokumentationszentrum Lieu d’Europe, das sich ebenfalls in Straßburg befindet. Die Ausstellung ist zudem Auftaktveranstaltung für das Europäische Kulturerbe-Jahr 2018. Im Juli 2018 kann man die Fotos in Stuttgart sehen. Artikel von Benjamin Walf Bild: Michelle Hoffmann (v. l.), Lilian Weigl und Lea Krüger vor der Tafel zum KZ „Wiesengrund“