FAG-Debater bei der ältesten Debating Society der Welt in Cambridge

FAG-Debater bei der ältesten Debating Society der Welt in Cambridge Cambridge Union School Debating Championships

Ein Haus aus Klinker aus dem Jahre 1866, eine Bibliothek mit Lederrücken, ein Squashcourt und natürlich der Chamber mit seinen dunkelroten Ledersesseln und dem Rednerpult aus dunklem Holz. Die Cambridge Union bedient alle Bilder, die man von einer englischen Eliteuniversität hat. 1812 gegründet ist die CU der älteste Debattierclub der Welt. Hier lernen die Studenten freies Reden und das Wortgefecht, das sie auf eine Karriere im britischen Parlament vorbereitet.Hier sieht man Nathalie Kloiber und Marie-Kristin KrügerHier sieht man Nathalie Kloiber und Marie-Kristin Krüger Höhepunkt eines jeden akademischen Jahres sind die Gastreden. Zu den Rednern gehörten Premierminister wie Winston Churchill, Margaret Thatcher und John Major, US-Präsidenten wie Ronald Reagan und Barack Obama und aus Deutschland Kanzler Helmut Kohl. Auch religiöse Führer wie der Dalai Lama oder der Physiker Stephan Hawking, der heute noch in Cambridge lebt, haben dort gesprochen. Selbst umstrittene Personen wie Muammar Gaddafi, der libysche Diktator, und Julian Assange, der Begründer von Wikileaks, waren schon eingeladen. Einmal im Jahr lädt die Cambridge Union Schüler und Schülerinnen ein, um in den Räumen der CU das beste Schulteam zu wählen. 600 Schulen haben sich um eine Teilnahme bemüht, 40 Teams wurden schließlich eingeladen. Die German Debating Society durfte ein Team schicken: Sie entschied sich für das Friedrich-Abel-Gymnasium aus Vaihingen. Nathalie Kloiber und Marie-Kristin Krüger (beide J1) durften nach Cambridge fahren. Alle anderen Teams waren entweder Muttersprachler (England, Irland, Kanada) oder sie kamen von einer englischen Schule (Malaysia, Pakistan, Philippinen). Das FAG Team war das einzige nicht first oder second language - team. Häufig fielen die Sätzen: “You are the only team from the Continent.” Oder “It must be hard to debate in another language.” „Alle waren so freundlich und aufgeschlossen”, das ist Nathalie und Marie-Kristin am meisten aufgefallen. Aber die Schwierigkeit lag eigentlich nicht in der Sprache: In England debattiert man in einem anderen „Format”, dem British Parlamentary Style, d.h. anders als gewohnt gehören nur zwei Sprecher zu einem Team. Letztendlich debattieren zwei Teams auf der Pro-Seite und zwei in der Opposition. Als Vorbereitung haben Nathalie und Marie-Kristin die neuen BPS-Regeln studiert und sich Videos der Cambridge Union im Internet angeschaut. „Aber als wir dann da waren, war doch alles ganz anders”, meinte Nathalie. Das altehrwürdige Gebäude war allein schon respekteinflößend, der „Chamber”, der Hauptraum mit all den Ledermöbeln, den abgestuften Zuschauerrängen war einfach überwältigend. „So viele Zuschauer”, staunte´Marie-Kristin. Die ersten vier Vorrunden wurde erst einmal in anderen Räumen debattiert: in der Bibliothek mit ihren alten Büchern und dem Kamin, im Billiardzimmer, mit einem riesigen Snooker-Tisch, aber auch im Keller oder in den Squash-Courts: Sprechen geht eben einfach überall. Die Vorbereitungzeit pro Debatte betrug kurze 15 Minuten. In diesen Debatten ging es darum, ob religöse Würdenträger politische Ämter bekleiden sollten, ob es erlaubt sein sollte, das Erbmaterial bei ungeborenen Kindern zu verbessern, ob die Polizei Fallen stellen darf, um Straftäter zu stellen und schließlich darum, ob soziale Gerechtigkeit wichtiger ist als wirtschafliches Wachstum. Der Verlauf der Debatten war ungewohnt, besonders weil am Ende zwar die Rangfolge der Teams bekanntgegeben wurde, es aber nicht wichtig war, wer als Sieger aus den die Debatten hervorging. In „unserem” World Schools Format ist das die wesentliche Frage. Auch spielte der Stil keine Rolle. Am Ende reichte es Nathalie und Marie-Kristin natürlich nicht für die Gruppe der letzten acht Teams . Wie jedes Jahr waren gleich zwei Teams von Eton, der Schule von Prinz William, unter den Finalisten. Aber das FAG-Team konnte sich darüber freuen, direkt unter Eton in der Liste geführt zu werden. Nach 22 Uhr stand der Sieger fest: nein, nicht Eton, sondern Vancouver. Einen Tag lang haben Nathalie und Marie-Kristin zur Cambridge University „gehört”. Das werden sie ein Leben lang nicht vergessen. Am Freitag und Sonntag blieb noch Zeit zum Sight-seeing: Spazieren durch die vielen Colleges, Stocherkahnfahren auf der Cam, Evensong in der weltberühmten Kapelle von King´s College, Einkaufen und zum Schluss noch ein Pub-Besuch, ohne Bier, aber mit Fish and Chips.