Latein-Abitur-Vorbereitung einmal anders!!

StrohStroh

„Der Waffenstreit in Ovids Metamorphosen“- unter dieser Überschrift stand am Dienstag, dem 11. Februar, ein Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Stroh in Stuttgart. Der Altphilologe studierte ab 1959 in Tübingen und ist bekannt für seine Bemühungen um das Latein als lebendige Sprache. Der Vortrag entpuppte sich als ein packendes, unterhaltsames Erlebnis, das zahlreich besucht wurde.

Obwohl pünktlich im staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung angekommen, war der Raum schon mehr als voll. Sowohl Schüler, die sich mit den Metamorphosen als Sternchenthema beschäftigt hatten, als auch Studenten, Lehrer und andere Interessierte besuchten den Vortrag. Dieser war ein echtes Erlebnis, da man Herrn Stroh die Begeisterung für sein Fach anmerkte. So stellte er sich selbst auf Latein vor und führte – dank untermalender Gestik und deutlicher Aussprache auch wirklich verständlich! – in die Metamorphosen ein. Nach dieser beeindruckenden Einführung brach die Spannung aber auch im deutschen Teil nicht ab: Es folgte kein trockener, lehrender Vortrag im klassischen Sinne, sondern eine äußerst lebendige und anschauliche Interpretation und Einordnung eines Ausschnitts der Ovidischen Metamorphosen. Ovid gilt als der Rhetoriker unter den römischen Dichtern, was in seinen „Amores“, seiner „Ars amatoria“ und in vielen weiteren Werken, so auch in seinen Metamorphosen, zum Ausdruck kommt. Dort hat er laut Stroh das „rhetorische Glanzstück wahrscheinlich der gesamten römischen Literatur“ geliefert, welches sonderbarerweise in der Forschungsliteratur bislang jedoch wenig beachtet wurde. Es geht um einen Streit zwischen Ulixes (Odysseus) und Aiax, die beide in Besitz der Waffen des gestorbenen Achill kommen wollen. Beide versuchen, mit einer überzeugenden Rede das Volk dazu zu bringen, die Waffen dem jeweiligen Redner zuzusprechen. Diesen Streit kann – listenreich wie immer – Ulixes durch seine Raffinesse und sein Einfühlungsvermögen für sich entscheiden. Das Besondere an den beiden Reden sind ihre Unterschiede in Aufbau, Taktik und Wirkung. Diese Unterschiedlichkeiten machte uns Professor Dr. Stroh auf lebendige und anschauliche Weise klar.

Prpfessor Stroh merkte man seine Begeisterung für Ovids Art zu schreiben in jeder Minute an; aus seinem sympathischen Versprecher („erotische“ statt „rhetorische“ Glanzleistung) fand er einen eleganten Ausweg, indem er kurzerhand eine weitere, diesmal tatsächlich erotische Anekdote einflocht!

Es gelang ihm einfach, die eigene Freude an Ovid auch auf seine Zuhörer zu übertragen, egal ob Jung oder Alt, ob pensioniertem Lehrer oder Abiturienten.

Bild: Alina Kintner und Annkathrin Kilpper