Selbstevaluation 2007/08

1. Thema

Umsetzung des „Doppelstundenmodells“ mit dem Ziel: Wie zufrieden sind Lehrer, Eltern und Schüler mit dem vermehrten Unterricht in Doppelstunden. Berücksichtigt wurden die Aspekte: Zufriedenheit mit der Arbeitsorganisation, Auswirkungen auf Schulklima, Kommunikation und Unterricht.

2. Durchführung

Das Evaluationsteam erstellte Fragebögen und wählte für die Befragung Schüler und Eltern (an den Elternabenden) der Klassen 5e, 6c, 7c, 8a, 9f, 10d, 11d. Es wurden die Klassen ausgesucht, die sowohl Tage mit nur Doppelstunden als auch Tage mit nur Einzelstunden haben.

3. Auswertung

a) Ergebnisse der Schülerbefragung:

44% der Schüler empfinden den Schulalltag an Tagen mit überwiegend Doppelstunden entspannter, wobei die wichtigsten Aspekte der leichtere Schulranzen (90%) („Wichtigkeitsranking“ Platz 1) und die geringere Anzahl der Raumwechsel (77%) sind, gefolgt von der Tatsache, dass man sich auf weniger Fächer und Lehrer einstellen muss (68%).
Nur 34% der Schüler sind der Meinung, dass es an Tagen mit überwiegend Doppelstunden in den Pausen ruhiger ist.
71% der Schüler geben an, dass es ihnen gelingt. Die Menge der Hausaufgaben über die Woche zu verteilen.
Nur nahezu der Hälfte der Schüler gelingt es, regelmäßig Vokabeln zu lernen. Nur 36 % der Schüler geben an, dass aus ihrer Sicht durch die vermehrten Doppelstunden mehr Unterricht ausfällt.

Zwei Drittel der Schüler stimmen nicht der Aussage zu, dass in Doppelstunden der Unterricht mehr Spaß macht und 55% meinen nicht, dass der Unterricht durch Doppelstunden abwechslungsreicher gestaltet wird.
Es stimmen 74% der Aussage zu, dass in Doppelstunden mehr Partner- oder Gruppenarbeit gemacht wird, 56% der Aussage, dass eher kreative Aufgaben gemacht werden und 53%, dass eher Medien eingesetzt werden („Wichtigkeitsranking“ Platz 3).

Besondere Auswirkungen auf den Unterricht haben die Doppelstunden in Punkto Präsentieren. 72% gaben an, mehr präsentieren zu können.
73% der Schüler empfinden die Atmosphäre bei Klassenarbeiten entspannter („Wichtigkeitsranking“ Platz 2).

Vergleicht man die Antworten der verschiedenen Klassen in den Bereichen Organisatorisches und Inhaltlich/Methodisches miteinander, fällt auf, dass die Ergebnisse im Bereich Organisatorisches in fast allen Klassen nahe beieinander liegen. Bei den Fragen zur Auswirkung auf den Unterricht gehen die Aussagen weit auseinander. Z.B. stimmen 77% der Schüler der 5e nicht der Aussage zu, dass in Doppelstunden der Unterricht abwechslungsreicher gestaltet wird, doch 83% der 7c bejahen dies.

b) Ergebnisse der Lehrerbefragung:

Als wichtigstes Kriterium für Doppelstunden wird von den Lehrern die Arbeits- und Unterrichtatmosphäre genannt. 85% der Lehrer empfinden die Arbeits- und Unterrichtsatmosphäre an Tagen mit überwiegend Doppelstunden angenehmer („Wichtigkeitsranking“ Platz 1). Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass weniger Wechsel zwischen Räumen und Gebäuden stattfindet („Wichtigkeitsranking“ Platz 2). Von vielen wird auch mehr Ruhe im Schulgebäude erlebt.
72% der Lehrer geben an, dass sich durch die vermehrten Doppelstunden ihr Vorbereitungsaufwand verringert.
Die Erteilung von Hausaufgaben über die Woche wird von 42% der Lehrer als Problem gesehen („Wichtigkeitsranking Platz 4). 64% sehen die Terminierung von Klassenarbeiten als Problem. 74% geben an, dass die Terminierung von außerunterrichtlichen Veranstaltungen nicht einfacher geworden ist. 84% der Lehrer geben an, dass durch die vermehrten Doppelstunden nicht weniger Unterricht ausfällt und sie auch nicht weniger Vertretungsstunden haben.

Bei den Auswirkungen auf den Unterricht wird als wichtigster Aspekt die Möglichkeit zu mehr Gruppen- und Partnerarbeit genannt. 85% der Lehrer stimmen der Aussage zu, dass sie in Doppelstunden vermehrt Gruppen- und Partnerarbeit machen lassen („Wichtigkeitsranking“ Platz 3) und häufiger die Unterrichtsmethode wechseln; zudem werden in Doppelstunden eher Medien eingesetzt. Sehr hohe Zustimmung bekommen auch die Aussagen, dass die Schüler in Doppelstunden mehr kreative Aufgaben bekommen und mehr Möglichkeiten zum Präsentieren haben. In Doppelstunden können mehr Aspekte sozialen Lernens eingebaut werden, die Lehrer können ihre Klassen besser kennen lernen und haben mehr Zeit auf Schüler individuell einzugehen.
71% der Lehrer stimmen der Aussage nicht zu, dass sie es schaffen in Doppelstunden mehr Stoff zu vermitteln.

c) Ergebnisse der Elternbefragung:

Der wichtigste Punkt für die Eltern (vor allem der jüngeren Klassenstufen) war, wie sich die Hausaufgaben ihrer Kinder über die Woche verteilen. Es zeigte sich, dass es 93% der Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen gelingt, ihre Hausaufgaben in der Unterrichtswoche unterzubringen, wenn sie vermehrten Doppelstundenunterricht haben. Abgesehen von den Fünftklässlern gelingt den Schüler/innen diese Wochenaufteilung selbstständig, sodass sie die Hilfe ihrer Eltern nicht beanspruchen müssen.
Zweitwichtigstes Ergebnis aus Elternsicht: An Tagen mit Doppelstunden ist das Gewicht der Schulranzen bei den meisten Schüler/innen deutlich reduziert. Dies ist für Eltern der Klassen 5-8 von absolut vorrangiger Bedeutung.
Wichtig ist für die Eltern weiterhin der Unterrichtsausfall. Mehr als die Hälfte der Eltern sehen das Doppelstundenmodell als ursächlich für vermehrten Unterrichtsausfall an. Möglicherweise ist dies darauf zurückzuführen, dass bei Doppelstunden an feiertagsträchtigen Tagen gleich zwei Stunden ausfallen. Hier ist anzumerken, dass den Eltern wichtig ist, dass Unterrichtsausfall möglichst durch das Bearbeiten von zum Fach gehörigen Aufgaben oder Ersatzfachunterricht abgedeckt wird. Dieser findet aus Elternsicht sehr wenig statt, während das Bearbeiten von bereitgestellten Fachaufgaben in manchen Klassen eher gut und in manchen eher schlecht klappte.
Viertwichtigster Punkt für die Eltern war das Vokabellernen. Hier gibt es kein einheitliches Bild. Tendenziell messen die Eltern älterer Schüler dem Vokabellernen mehr Bedeutung zu. Jüngere Kinder haben tendenziell bei Doppelstunden eher Schwierigkeiten das Vokabellernen zu organisieren.
Bei den Wünschen für Doppel- oder Einzelstunden war das erstaunlichste Ergebnis aus Elternsicht die Vorliebe für Einzelstunden in den Fächern Religion, Ethik und Musik, wogegen im Fach Deutsch überwiegend Doppelstunden gewünscht wurden.

d) Auswertung des Fragebogens Schulleitung

I Stundeplanerstellung

Durch vermehrte Doppelstunden wird die Erstellung des Stundenplanes nicht einfacher.
Die Anzahl der Doppelhohlstunden für Kollegen nimmt zu.

Vorteile für Schülerstundenpläne liegen in der reduzierten Anzahl der Unterrichtsfächer pro Tag. Zudem lassen sich Stundenpläne pädagogisch sinnvoller gestalten.

II Vertretungsstunden

Durch vermehrte Doppelstunden ist eine Zunahme des Unterrichtsausfalles bemerkbar.

Der Vertretungsaufwand für Kollegen nimmt zu, steht jedoch nicht in Zusammenhang mit dem Doppelstundenmodell. Die Gründe für den Unterrichtsausfall und dessen Vertretung sind nicht durch das Doppelstundenmodell sondern allgemein verantwortet, z.B. AU-Aktivität, Fortbildung, Krankheit.

Zur Vertretung wird eher anderweitiger Fachunterricht erteilt. Die Möglichkeit, dass verhinderte Kollegen den Schülern für die Vertretungszeit Aufgaben zur Bearbeitung zukommen lassen, wird weniger wahrgenommen.

III Rückmeldungen

Durch vermehrte Doppelstunden werden eher positive Rückmeldungen an die Schulleitung herangetragen:

durch Lehrer Berufsalltag entspannter, da
- weniger Klassen pro Tag
- Reduzierung der Wege zwischen den Unterrichtsstunden
- geringerer Vorbereitungsaufwand pro Tag
durch Schüler Schulalltag entspannter:
- weniger Fächer pro Tag
- Reduzierung der Wege zwischen den Unterrichtsstunden
- geringerer Vorbereitungsaufwand pro Tag
durch Eltern Ablauf der Unterrichtswoche entspannter:
- einzelne Unterrichtstage verlaufen ruhiger
- besserer Wochenrhythmus
- bessere Vorbereitung bzw. Nachbereitung des Unterrichts

4. Zusammenfassung der Ergebnisse aller Beteiligten

Die Befragung nach Wünschen (lieber Einzelstunde, Doppelstunde oder Mischung aus Einzel- oder Doppelstunde) ergab, dass 55% der Lehrer Doppelstunden wünschen, wobei die Ergebnisse je nach Fach unterschiedlich ausfallen. In den Fremdsprachen, Deutsch und Mathematik spricht sich die Mehrheit der Kollegen für ein Mischmodell aus. 51% der Schüler und Eltern sprechen sich insgesamt für Doppelstunden aus. Abweichungen vom Lehrerergebnis gibt es im Fach Deutsch, wo Schüler und Eltern Doppelstunden favorisieren. In Mathematik und den Fremdsprachen sprechen sich die meisten Eltern auch für Doppelstunden aus, in den Fächern Musik, Religion/Ethik, Geschichte/Geografie/Gemeinschaftskunde für Einzelstunden. In Geschichte/Geografie/Gemeinschaftskunde wünschen sich auch 44% der Schüler Einzelstunden.

Alle Angaben in %

Fach Lehrer Schüler Eltern
Einzelstunden Doppelstunden Mischung Einzelstunden Doppelstunden Mischung Einzelstunden Doppelstunden Mischung
Fremdsprachen 20 20 60 31,4 22,6 46 19,7 47,2 33,1
Deutsch 10,5 31,5 58 17,2 42,5 40,3 11,2 58,7 30,1
Musik 0 75 25 34,4 50,5 15,1 54 27,3 18,7
Mathe 6,7 33,3 60 33,2 20,7 46,1 22,5 45,8 31,7
Naturwissens. 18,8 68,7 12,5 10,5 61,3 28,2 14,8 54,1 31,1
Sport 0 92,3 7,7 4,5 87,2 8,3 2,1 95 2,9
G, Geo, GK 28,6 64,3 7,1 43,7 31,5 24,8 41 27,3 31,7
Religion/Ethik 0 100 0 38,7 49,4 11,9 61,9 21,6 16,5
Kunst 0 100 0 1 99 0 7,2 83,3 9,5
Gesamt 12,5 54,5 33 23,9 51,6 24,5 26 51 23